Erwachsenwerden dauert immer länger - aber bisher ignoriert die Österreichische Kinder- und Jugendhilfe diese Entwicklung.

 

Der DÖJ weist auf eine massive Schwachstelle in der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe hin.

 

Die aktuelle OECD-Jugendstudie, bestätigt, was Soziologen schon länger kolportieren: Das Erwachsenwerden hat sich weit in das 3. Lebensjahrzehnt verschoben. Weniger als die Hälfte der unter 30-Jährigen fühlen sich laut aktueller Studie erwachsen. Und rund die Hälfte der 23-Jährigen lebt noch bei den Eltern. Aber junge Leute, die in Jugendhilfe-Einrichtungen aufwachsen müssen, weil sie in ihrer Familie nicht vor Gewalt und Verwahrlosung geschützt sind, werden mit 18 aus diesen Einrichtungen verwiesen. „Das kostenintensive Engagement der öffentlichen Hand wird durch einen äußerst schlecht geregelten Übergang ins Erwachsenenleben wieder in Frage gestellt“, kritisiert Gerald Herowitsch-Trinkl, Obmann des DÖJ. Man ignoriere, dass junge Leute Unterstützung weiterhin notwendig brauchen. Dies gelte erst recht für jene jungen Menschen, die schon schlimme Kindheits-Erfahrungen hinter sich haben. Die Jugendhilfe versäume es aber, die zum Teil erheblichen finanziellen Aufwendungen, die für diese jungen Menschen bis zum 18. Lebensjahr schon bereitgestellt wurden, mit vergleichsweise geringen Mitteln abzusichern. Eine gute Übergangsbegleitung ins Erwachsenenleben wäre nicht nur menschlicher, sondern auch viel sparsamer, als das Risiko eines Absturzes erneut in Kauf zu nehmen, argumentiert der Dachverband.

 

Gesetzlich gibt es zwar die Möglichkeit der Verlängerung von Jugendhilfemaßnahmen für junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr. Für diese Kann-Bestimmung sind aber keine fachlichen Standards vorgegeben und in manchen Bundesländern werden sie kaum angewendet.

Von der Bundesministerin Karmasin erwartet der DÖJ daher die Initiative zu einer Änderung des Jugendhilfegesetzes, das gerade evaluiert wird. „Nur eine neue Übergangsregelung für junge Erwachsene würde die im Gesetz geforderte Ausrichtung der Jugendhilfe am aktuellen wissenschaftlichen Stand erfüllen“, appelliert der DÖJ an das zuständige Ministerium.

 

Mit diesem Apell begnügt sich der DÖJ nicht. Er setzt vielmehr ein eigenes Pilotprojekt mit dem Namen „Welcome to Life“ in die Tat um, welches genau jene jungen Erwachsenen nach der Jugendhilfe unterstützt. Über Mittel des Fonds Gesundes Österreich und kleinerer Zusatzfinanzierungen aus den Ländern – das für Jugendhilfe zuständige Ministerium weigerte sich, mitzahlen – wird „Welcome to Life“ finanziert. 18 Jugendhilfe-Einrichtungen aus Wien, Vorarlberg, Tirol und Kärnten sind daran beteiligt. Treffpunkte für die sog. „Care Leaver“ wurden eingerichtet, individuelle Hilfen und Workshops werden angeboten, freiwillige MentorInnen werden ihnen schon vor der Entlassung aus der Jugendhilfe zur Seite gestellt. Die Care Leaver werden länderweise und auch österreichweit über soziale Medien vernetzt. „Wir erwarten, dass die Care Leaver auch selbst ihre Forderungen für die Beseitigung dieser Schwachstelle am Ende der Jugendhilfe an die Politik herantragen werden.“ meint Hubert Löffler als Koordinator des Projektes.

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